Wer das wahre Bulgarien kennenlernen will, der muss durch das Rhodopengebirge reisen. Hier befinden sich mittelalterliche Festungen, Wunder aus der Natur und atemberaubende Ruinen aus der Zeit der Thraker. Wir haben uns auf den Weg gemacht und erzählen von unseren Erlebnissen in den Rhodopen.

Tag 1 – Assenowgrad, die Festung von Asen, das Bachkovo Kloster und Perperikon

Unsere Reise durch das Rhodopen-Gebirge beginnt in Plovdiv. Von hier aus fahren wir in das wenige Kilometer Asenovgrad, wo sich auf einer felsenhaften Erhebung die Festung von Asen befindet. Bereits zur Zeit der Thraker wurde dieses Gebiet im V. Jh. vor Christus besiedelt.

Die Festung von Asen erlebte drei Bauperioden vom IX. bis zum XIII. Jh. Im Jahr 1231 fand die größte Erweiterung der Festung durch Tsar Asen II. statt, nachdem schließlich die Festung benannt wurde.
Aufgrund der Herrschaft verschiedener Reiche, darunter Thraker, Römer, Byzantiner, Kreuzritter, Bulgaren und Osmanen, ist die Festung von Asen eine der spannendsten im ganzen Land.
Von der Festung aus hat man eine fantastische Aussicht auf das Tal und man fühlt sich wie in einer anderen Zeit.
Im Inneren der Festung kann man verschiedene Fresken und Einrichtungen der orthodoxen Kirche bewundern.

Unterhalb der Festung befindet sich ein großer Parkplatz, der Eintritt zur Festung und die Parkgebühren kosten insgesamt 8 BGN für zwei Personen, umgerechnet 4 Euro.

Weiter gehts zum Bachkovo Kloster, welches nur wenige Kilometer von der Festung entfernt liegt. Gegründet wurde das Kloster im Jahr 1083 vom Georgier Gregor Pakourianos und im XVI. Jahrhundert wurde mit dem Bau des neuen Klostergebäudes begonnen. Im Kloster befinden sich zahlreich Ikonen und Holzschnitzereien, sowie einige der ältesten Exponate aus der Geschichte des Klosters.
Noch immer befindet sich hier ein funktionierendes Mönchskloster mit einem angenehmen Hof, in dem verschiedene Bäume an heißen Tagen Schatten spenden.

Anschließend begeben wir uns nach Süden in die Stadt Kardzhali, wo wir am Stausee außerhalb des Stadtzentrums in ein ruhiges Familienhotel einchecken.
Wir machen uns auf dem Weg nach Perperikon, einem riesigen Felskomplex, der bereits in der Steinzeit zwischen dem 6. und 5. Jh. vor Christus als Heiligtum galt. Zur Zeit der Thraker nahm dieser Komplex die Form einer ganzen Stadt an, die rum 5.000 Menschen beherbergte. Perperikon war eine Kultstätte mit Orten, die Orüeuhs geweiht wurden. Außerdem findet man Ruinen von Wohn- und Opferstätten, sowie einem Schrein der dem Gott Dyonisos geweiht wurde.
Wenn ihr Perperikon besucht, empfehle ich euch einen Reiseleiter zu engagieren. Eine Führung kostet 30 BGN, unabhängig ob es sich um eine Gruppe von 20 Personen handelt oder um eine einzelne Person. Die Führung hat den Vorteil, dass ihr alles über die Geschichte diese heiligen Ortes erfahrt. Unser Leiter hieß (name) und  arbeitet bereits seit über 40 Jahren dort. Er kennt die Gegend wie kein anderer und ist äußerst sympathisch. Von Perperikon aus habt ihr eine fantastische Aussicht auf das Tal, das Rhodopengebirge und die umliegenden Dörfer. Außerdem verleiht der Ort eine magische Energie und man kommt aus dem Staunen der menschlichen Fähigkeiten zur damaligen Zeit nicht heraus.
Der Zutritt zu Perperikon kostet 2 BGN, also 1 Euro pro Person.

Wir kehren zurück in das Familienhotel “Sveti Konstantin”, wo wir auf der Terrasse zu Abend essen. Wir haben einen herrlichen Ausblick auf den See und essen frischen Fisch. Die Übernachtung inklusive Frühstück kostet umgerechnet 30 Euro und ist es auf alle Fällte wert. Das Hotel ist sauber und das Personal ist sehr freundlich und zuvorkommend.

 

Tag 2 – Tatul, die Teufelsbrücke und die wunderbaren Brücken

Nach einem akzeptablen Frühstück beginnt unser Tag mit der Fahrt in das 20 km von Kardzhali entfernte Tatul. Hier befindet sich ein weiteres Heiligtum und man vermutet hier das Grab des thrakischen Sängers Orpheus. Nach Perperikon handelt sich hier um den zewitgrößten Megalith-Komplex mit Sarkophagen  und Opferstätten.
Der Eintritt zur heiligen Stätte kostet 1,50 Euro pro Person.

Wir verlassen Kardzhali und reisen weiter, tiefer in das Rhodopengebirge. Über die südliche Route fahren wir vorbei am Dorf Ardino, wo sich die sogenannte Teufelsbrücke befindet. Die Straße ist in einem sehr guten Zustand und führt bis kurz vor die Brücke. Wir empfehlen das Auto am dafür geeigneten Parkplatz abzustellen, da die letzten zwei Kilometer sehr steinig und uneben sind.

Die Teufelsbrücke oder “Diavolski Most” wie sie mit wirklichem Namen heit stammt aus dem Anfang des 16. Jh. wurde während der Herrschaft der Osmanen erbaut. Sie gehörte zur alten Strecke, welche vom Festland bis zum Meer führte. Die drei Bögen sind ein bekanntes Fotomotiv und galten auch als Kulisse für viele Filme.

Die letzte Station für den heutigen zweiten Tag heißt “Tschudnite Mostove” oder auch die wunderbaren/prächtigen Brücken. Wir fahren in Richtung Landesinnere tief in das Rhodopengebirge und genießen die frische Berg- und Waldluft.
Die wunderbaren Brücken sind keine Brücken im eigentlichen Sinn, sondern riesige Felsformationen, die wie gigantische Brücken aussehen. Diese gewaltigen Marmorbögen entstanden im Laufe der Zeit durch das Durchfließen des Flusses Erkyupriya. Die größte Brücke ist fast 100 Meter lang, 15 Meter breit und 45 Meter hoch, während die kleinere Brücke 30 Meter hoch und 60 Meter lang ist. Die Brücke kann man sowohl besteigen, als auch von unten betrachten. Ein Weg führt bis zum Fluss hinunter, von dem man aus die riesigen natürlichen Böden bestaunen kann. Vom Boden aus die wunderbaren Brücken betrachtet, wird einem wieder bewusst, wie klein der Mensch eigentlich ist.

Vom oberen Teil der Brücken kann man die Ferne und die natürliche Schönheit der Rhodopen betrachten und sich im Einklang mit der Natur fühlen.

Wir machen uns auf den Weg nach Trigrad, unsere vorletzte Station. Vorher halten wir aber unterwegs an einem kleinen Restaurant, welches nur wenige Kilometer von den “Tschudnite Mostove” entfernt ist. Das unscheinbare kleine Haus am Straßenrand verfügt über eine sehr knappe Speisekarte, bestehend aus: frischer Forelle, Pommes, zwei Arten von Salaten und einer kleinen Auswahl an Getränken. Allerdings ist diese Auswahl mehr als ausreichend. Wer hier ist, sollte auf alle Fälle die Forelle probieren und er wird nicht enttäuscht sein. Für mich war es die beste Forelle, die ich jemals gegessen hatte, fangfrisch und einfach lecker. Zwei Portionen à 300 gr + Tomaten als Beilage, Pommes, Brot und Getränke kosten genau 5 Euro. Das ist ein Witz, wenn man bedenkt wie üppig und lecker das Essen ist.

Es geht weiter nach Trigrad, einem kleinen Dorf mit einem atemberaubenden Panorama. Der Weg führt durch die Schlucht von Trigrad, eine Art Canyon, bei dem man aus dem Staunen fast nicht herauskommt. Unser Hotel ist eines der letzten Häuser des Dorfes und heißt “Sharenya Most”, also bunte Brücke. Es handelt sich genauer gesagt um ein Gästehaus mit Frühstück für umgerechnet 30 Euro. Die Zimmer sind sauber und das Personal ist sehr freundlich. Neben dem Gästehaus befindet sich eine Forellenzucht und im Bach, der am Gästehaus vorbeifließt, kann man einzelne Forellen ausfindig machen.

 

Tag 3 – Drachenschlund und die Höhle von Iagodina

Am nächsten Morgen werden wir von Kuhglocken geweckt, eine große Herde Kühe wird von einem Hirten in Richtung Alm getrieben. Das Frühstück ist ausgezeichnet, man heißt uns willkommen und serviert frische gebackene Brotscheiben, bzw. Arme Ritter oder French Toast. Dazu gibt es weißen Käse, hauseigene Konfitüre und eine große Kanne Mursala Tee, der nur hier in den höheren Lagen wächst.

Auf dem heutigen Plan steht die Besichtigung zweier Höhlen: dem Drachenschlund und der Höhle von Iagodina. Da wir etwas zu früh vor der ersten Höhle sind, spazieren wir die Straße entlang und bestaunen die riesigen Felsen und Schluchten, durch die die Straße führt. Souvenirstände liegen auf unserem Weg und wir entschließen uns einen Besuch abzustatten. Wir stehen vor einiger riesigen Auswahl an typischen Teesorten, die im höheren Gebirge wachsen. Für zwei verschiedene Teesorten und einem Kilo speziellem Honig, der zum Tee passt bezahlen wir insgesamt 12,50 Euro.

Der Eintritt zur ersten Höhle kostet 2,50 Euro pro Person und ein junger Gruppenführer beginnt mit seiner Führung durch den “Drachenschlund”. Die Höhle ist vergleichsweise relativ jung und beinhaltet den höchsten internen Wasserfall mit einer Höhe von 42 Metern. Das Innere der Höhle ist so groß, dass die Kathedrale Alexander Nevski von Sofia darin Platz hätte. Zahlreiche Mythen ragen sich um diese Höhle, dessen Highlight der eigentliche “Drachenschlund” ist. Forscher haben versucht zu verstehen, wohin das Wasser des Schlundes fließt, aber man kam zu keinem Ergebnis und kann nur vermuten woher das Wasser kommt und geht.
Die Höhle ist auch die Heimat von tausenden von Fledermäusen, die in der Höhle überwintern.

Wir fahren zur nächsten Höhle mit dem Namen Iagodina, die um einiges älter als der Drachenschlund ist. Der Eintritt zur Höhle kostet 3,50 pro Person.
Zu Beginn der Führung erfahren wir von unserem Reiseleiter, dass die Höhle ein beliebter Ort für Eheschließungen geworden ist. Insgesamt wurden im Inneren der Höhle bereits 300 Ehen geschlossen.
Der 1 km lange Weg durch die Höhle führt durch zahlreiche Galerien, enge Gänge und Säle. Überall können wir Stalagmiten und Stalaktiten beobachten, welche sich im Laufe der Zeit gebildete haben. Ein spannender Fakt: 1 mm Stalaktit bildet sich im Laufe von 50 Jahren. In der Höhle konnten wir metergroße Stalaktiten und Stalagmiten bewundern, sowie weitere geologische  Fakten.

Nach einem aufregenden Vormittag fahren wir zu unserer letzten Station nach Velingrad, der Spa-Hauptstadt des Landes. Wir beziehen das 4-Sterne Royal Spa Hotel in Velingrad (70 Euro Zimmer mit Frühstück) wo wir unsere Reise im Spa Zenter des Hotels ausklingen lassen. Die Gegend ist reich an Thermalquellen, weshalb auch das Hotel über mehrere Becken mit warmen Thermalwasser verfügt.

 

Tag 4 – Rückreise

Wir stärken uns am reichen Frühstücksbuffet des Hotels und treten voller positiver Energie die Rückreise nach Sofia an.

 

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